Gemeinsam gegen Gewalt, Radikalisierung und Extremismus – AKIS – Workshopbericht

Datum: 1. November 2026
Ort: Evangelische Kreuzkirche Graz
Mühlgasse 43, 8020 Graz, Österreich

Veranstalter: AKIS – Afghanischer Kultur-, Integrations- und Sportverein

  1. Begrüßung und Eröffnung

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Ghousuddin Mir, Vorsitzender von AKIS, alle anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich und bedankte sich für ihr Interesse und ihre Teilnahme.

Anschließend stellte Herr Lieter Yousofzai die Ziele und Inhalte des Workshops vor. Er erläuterte die Bedeutung der gemeinsamen Auseinandersetzung mit Gewalt, Radikalisierung und Extremismus sowie die Notwendigkeit, durch Aufklärung, Bildung und offenen Dialog ein friedliches Zusammenleben zu fördern.

  1. Gewaltprävention aus islamischer Sicht

Im weiteren Verlauf sprach Qazi Suleiman über die Vermeidung von Gewalt aus der Perspektive des Islam.

Er betonte, dass der Islam Respekt, Barmherzigkeit, gegenseitige Achtung und einen friedlichen Umgang miteinander vermittelt. Dabei verwies er auf die Lehren des Propheten Mohammed und hob hervor, dass ein guter Mensch seine Ehefrau, Schwester und Mutter wie eine vertraute Lebenspartnerin und Freundin behandeln und ihnen mit Liebe und Respekt begegnen sollte, anstatt seine vermeintliche Stärke durch Einschüchterung oder Gewalt zu demonstrieren.

Er machte deutlich, dass wahre Stärke nicht darin besteht, gegenüber Frauen Macht auszuüben, sondern darin, ihnen mit Würde, Verständnis und Respekt zu begegnen.

Besonders unterstrich er, dass ein respektvoller Umgang zwischen Eltern und ein friedliches Familienleben eine wichtige Grundlage für die gesunde Entwicklung und Erziehung der Kinder bilden.

Gewalt innerhalb der Familie schadet nicht nur den Frauen, sondern belastet auch die Kinder und beeinträchtigt ihre psychische und soziale Entwicklung. Kinder, die regelmäßig Gewalt und familiäre Konflikte erleben, können unter erheblichen seelischen Belastungen leiden. Solche Erfahrungen können ihre Zukunft negativ beeinflussen und unter bestimmten Umständen auch das Risiko einer späteren Radikalisierung erhöhen.

  1. Beitrag von Christoph Kuss und Gruppenarbeit

Christoph Kuss sprach über die Themen Gewalt, Extremismus und deren gesellschaftliche sowie persönliche Folgen. Er erklärte, wie Gewalt das Zusammenleben beeinträchtigt und wie Radikalisierung schrittweise entstehen kann.

Anschließend wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt, um die Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Gewaltprävention gemeinsam zu diskutieren. Beide Gruppen präsentierten ihre Ergebnisse im Plenum und betonten die Bedeutung von Respekt, Kommunikation und gegenseitigem Verständnis als Schutz vor Gewalt und Extremismus.

  1. Ziel und Inhalt des Workshops

Am 1. November 2026 organisierte AKIS in Graz einen weiteren Workshop im Rahmen des Projekts zur Prävention von Gewalt, Radikalisierung und Extremismus.

Ziel der Veranstaltung war es, das Bewusstsein für unterschiedliche Formen von Gewalt zu stärken, mögliche Ursachen und Risikofaktoren zu erkennen und gemeinsam Wege zu einem respektvollen, friedlichen und gewaltfreien Zusammenleben zu erarbeiten.

Im Mittelpunkt standen insbesondere folgende Themen:

  • Unterschiedliche Formen von Gewalt im familiären und gesellschaftlichen Umfeld
  • Ursachen und Hintergründe von Gewalt und Radikalisierung
  • Vorurteile, soziale Ausgrenzung und fehlende Bildung
  • Negative Einflüsse durch das soziale Umfeld und den Freundeskreis
  • Traditionelle Rollenbilder und ein problematisches Verständnis von männlicher Ehre und Männlichkeit
  • Politischer und religiöser Extremismus sowie unkritische Übernahme ideologischer Anweisungen
  • Förderung von gegenseitigem Respekt, Gleichberechtigung und Zivilcourage
  • Möglichkeiten, Konflikte gewaltfrei zu lösen und Gewalt frühzeitig zu verhindern
  1. Teilnehmerinnen und Teilnehmer

An diesem Workshop nahmen erstmals Frauen und Männer gemeinsam teil.

Insgesamt waren 18 Personen anwesend:

  • 12 Frauen und Mädchen
  • 6 Männer und Burschen

Die gemeinsame Teilnahme ermöglichte einen offenen Austausch zwischen den Geschlechtern. Dadurch konnten unterschiedliche Erfahrungen, Sichtweisen und persönliche Einschätzungen eingebracht werden.

  1. Feedback und Ergebnisse der Gruppenarbeit

Am Ende des Workshops wurden Feedbackbögen an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer verteilt.

Die Rückmeldungen zeigten insgesamt eine hohe Zufriedenheit mit der Veranstaltung. Besonders positiv bewertet wurden die Gruppenarbeit unter der Leitung von Christoph Kuss sowie der offene Austausch zwischen Frauen und Männern.

Ein besonders wichtiger Beitrag kam von den Jugendlichen. Sie wiesen darauf hin, dass auch Streitigkeiten und Konflikte innerhalb von Familien, insbesondere im Zusammenhang mit dem väterlichen Erbe, zu Spannungen führen und unter bestimmten Umständen Radikalisierungsprozesse begünstigen können.

Darüber hinaus äußerten die Jugendlichen ihre Besorgnis darüber, dass manche Menschen religiöse Fatwas, politische Anweisungen oder Anordnungen der Taliban in Afghanistan ungeprüft übernehmen, ohne deren Inhalt kritisch zu hinterfragen oder eigenständig darüber nachzudenken.

Als Beispiel diskutierten sie ein kürzlich veröffentlichtes Buch des Taliban-Führers. Nach den Schilderungen der Jugendlichen werde dieses Buch von manchen Menschen als ein Werk dargestellt, dessen Besitz oder Befolgung angeblich den Weg ins Paradies sichere. Die Jugendlichen kritisierten diese unkritische Verbreitung und Übernahme solcher Aussagen und betonten die Notwendigkeit, religiöse und politische Behauptungen kritisch zu prüfen.

Sie wiesen außerdem darauf hin, dass entsprechende Aufforderungen und Anweisungen der Taliban sowohl innerhalb Afghanistans als auch außerhalb des Landes verbreitet werden und Einfluss auf Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen nehmen können.

Die Jugendlichen unterstrichen, dass Bildung, eigenständiges Denken, kritische Auseinandersetzung und die Fähigkeit, zwischen religiösen Werten und politischer Instrumentalisierung zu unterscheiden, wichtige Voraussetzungen sind, um Radikalisierung entgegenzuwirken.

Als weitere Ursachen für Gewalt und Extremismus nannten die Teilnehmenden:

  • Armut und wirtschaftliche Schwierigkeiten
  • Gier und egoistische Interessen
  • Familiäre Konflikte und Erbstreitigkeiten
  • Schlechter Einfluss des Freundeskreises
  • Ein falsches Verständnis von männlicher Ehre und Männlichkeit
  • Unkritische Übernahme religiöser und politischer Anweisungen

Zugleich waren sich beide Gruppen einig, dass Respekt, gegenseitiges Zuhören, Bildung, kritisches Denken und ein friedliches Familienleben entscheidende Grundlagen sind, um Gewalt und Radikalisierung vorzubeugen.

  1. Schlussfolgerung und Ausblick

Der Workshop in Graz zeigte erneut, wie wichtig gemeinsame Bildungs- und Diskussionsangebote für Frauen und Männer sind, um Gewalt vorzubeugen und ein friedliches Zusammenleben zu fördern.

Besonders hervorzuheben waren die erstmalige gemeinsame Diskussion von Frauen und Männern über sensible gesellschaftliche Themen, die erfolgreiche Gruppenarbeit sowie die Auseinandersetzung mit Gewaltprävention aus gesellschaftlicher, familiärer und religiöser Perspektive.

Die Diskussionen machten deutlich, dass Gewalt und Radikalisierung nicht nur durch familiäre und wirtschaftliche Probleme entstehen können, sondern auch durch politische Einflussnahme, unkritische Übernahme extremistischer Ideologien und fehlendes kritisches Denken begünstigt werden.

AKIS wird seine Aktivitäten zur Gewaltprävention, zur Förderung der Gleichberechtigung, zur Stärkung des gegenseitigen Respekts und zur Förderung eines friedlichen Zusammenlebens weiterhin fortsetzen.

AKIS – Afghanischer Kultur-, Integrations- und Sportverein

Gemeinsam gegen Gewalt, Radikalisierung und Extremismus – für Respekt, Solidarität und ein friedliches Zusammenleben.

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