Bericht über den Jugendworkshop

Datum: Sonntag, 18. Oktober 2026
Zeit: 10:00 bis 16:00 Uhr
Ort: Papelweg 4
Teilnehmer:innen: 13 Jugendliche
Expert:innen: Herr Abdullah Ramaki (Migration) und Frau Zohra Najafi (Stopp Gewalt gegen Partner)

Durchführung des Workshops

Am Sonntag, den 18. Oktober 2026, fand von 10:00 bis 16:00 Uhr am Papelweg 4 ein Jugendworkshop statt. Insgesamt nahmen 13 Jugendliche am Workshop teil. Zwei Teilnehmer waren bereits zu Beginn anwesend, während die übrigen Teilnehmer:innen später eintrafen.

Beginn des Workshops

Zu Beginn begrüßte Ghousuddin Mir die Jugendlichen und bedankte sich für ihre Teilnahme und ihr aktives Interesse. Zugleich sprach er dem österreichischen Sozialministerium seinen Dank dafür aus, dass es die Durchführung dieses Workshops ermöglicht hat.

Er betonte, dass solche Veranstaltungen Jugendlichen die Möglichkeit bieten, Wissen und Kompetenzen zu erwerben, die für ihre persönliche und gesellschaftliche Zukunft von Bedeutung sind. Zugleich sei es wichtig, gemeinsam über Gewalt, Extremismus und Radikalisierung sowie über deren mögliche negative Auswirkungen auf Jugendliche, ihre Familien und die Gesellschaft zu sprechen.

Anschließend vervollständigte Herr Yousefi als Workshop-Leiter die Teilnehmer:innenliste. Er informierte die Jugendlichen über die Einverständniserklärungen für Fotoaufnahmen und erläuterte die Bedeutung von Datenschutz, Privatsphäre und Vertraulichkeit. Insbesondere wies er darauf hin, dass persönliche und sensible Inhalte, die während des Workshops besprochen werden, vertraulich zu behandeln sind.

Danach informierte Herr Eltizam, Mitarbeiter des Workshop-Teams, über die Ziele und Inhalte des Programms und ermutigte die Jugendlichen, sich aktiv an den Diskussionen und am offenen Austausch zu beteiligen.

Beitrag der Expert:innen

Im weiteren Verlauf führten Herr Abdullah Ramaki (Migration) und Frau Zohra Najafi (Stopp Gewalt gegen Partner) über einen Zeitraum von etwa zwei Stunden einen fachlichen Austausch und Workshop mit den Jugendlichen durch.

Dabei wurden verschiedene Themen im Zusammenhang mit Gewalt, Extremismus, Radikalisierung, persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung sowie Möglichkeiten der Prävention behandelt.

Ein wichtiger Punkt des Austauschs war die Feststellung, dass Extremismus und Radikalisierung nicht ausschließlich mit dem Islam in Verbindung gebracht werden können. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, dass extremistische Ideologien und Formen von Radikalisierung in unterschiedlichen religiösen, politischen und gesellschaftlichen Kontexten vorkommen können und daher differenziert betrachtet werden müssen.

Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und offen über Herausforderungen zu sprechen, mit denen sie im Alltag, im Integrationsprozess und in ihrem sozialen Umfeld konfrontiert sein können.

Offener Dialog mit den Jugendlichen

Nach einer kurzen Pause wurde der zweite Teil des Workshops von Masihullah geleitet. Dieser Teil dauerte etwa eine Stunde und wurde als offener Dialog und gemeinsamer Austausch gestaltet. Herr Rahmani unterstützte Masihullah bei der Durchführung und Moderation der Diskussion.

Ein zentraler Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage, welche sozialen, wirtschaftlichen und persönlichen Faktoren dazu führen können, dass Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen anfälliger für Gewalt, illegale Handlungen oder extremistische Ideologien werden.

Meinungen und Sichtweisen der Jugendlichen

Als die aus ihrer Sicht wichtigsten Gründe, die zu Radikalisierung und Gewalt führen, nannten die Jugendlichen:

  1. Social Media und Internet
  2. Fehlende Beschäftigung

Darüber hinaus nannten einige Jugendliche soziale Ausgrenzung, das Gefühl von Demütigung, Diskriminierung und mangelnde gesellschaftliche Anerkennung als mögliche Faktoren, die die Anfälligkeit für Radikalisierung erhöhen können.

Ihrer Ansicht nach kann ein Jugendlicher, der das Gefühl hat, in der Gesellschaft keinen ausreichenden Respekt, keine Anerkennung oder keine gleichberechtigten Chancen zu erhalten, nach anderen Möglichkeiten suchen, Zugehörigkeit und Identität zu erfahren. Dadurch könne das Risiko steigen, dass er sich Gruppen oder Bewegungen zuwendet, die einfache oder extremistische Lösungen anbieten.

Andere Teilnehmer:innen legten den Schwerpunkt auf wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten. Sie nannten insbesondere fehlende oder unsichere Aufenthaltsperspektiven, Armut, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Sprachbarrieren und Schwierigkeiten bei der Integration als Faktoren, die einen hohen psychischen und sozialen Druck auf junge Menschen ausüben können.

Nach Ansicht der Jugendlichen kann ein junger Mensch, der über längere Zeit mit Unsicherheit über seine Zukunft, finanziellen Schwierigkeiten sowie fehlenden Bildungs- oder Arbeitsmöglichkeiten konfrontiert ist, anfälliger für falsche Versprechungen oder problematische Wege werden.

Einige Jugendliche wiesen außerdem auf familiäre und gesellschaftliche Belastungen in Afghanistan hin. Sie berichteten, dass Armut, fehlender Zugang zu Bildung, familiäre Probleme, Gewalt und fehlende Zukunftsperspektiven bereits in jungen Jahren die persönliche Entwicklung und die Entscheidungsfähigkeit beeinflussen können.

Wenn diese Belastungen nach der Migration zusätzlich mit Problemen im Zusammenhang mit Aufenthalt, Sprache, finanzieller Situation und gesellschaftlicher Integration zusammentreffen, kann sich der Druck auf junge Menschen weiter verstärken.

Gleichzeitig betonten die Jugendlichen ausdrücklich, dass keines dieser Probleme Gewalt oder Extremismus rechtfertigt. Vielmehr sei es notwendig, Ursachen und Risikofaktoren zu verstehen, um geeignete Maßnahmen zur Prävention und Unterstützung entwickeln zu können.

Die Teilnehmer:innen schlugen daher vor, neben notwendigen rechtlichen Maßnahmen auch stärker auf Bildung, Beratung, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, gesellschaftliche Teilhabe sowie den Aufbau von Vertrauen zwischen Jugendlichen und staatlichen Einrichtungen zu setzen.

Bedeutung von Bildung und Muttersprache

Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war das Thema Analphabetismus und die unterschiedlichen Bildungsniveaus der Jugendlichen.

Einige Teilnehmer:innen betonten, dass Jugendliche mit wenig oder unterbrochener Schulbildung nicht mit denselben Methoden und unter denselben Voraussetzungen angesprochen werden sollten wie Personen mit höherem Bildungsniveau oder Jugendliche, die Deutsch bereits von klein auf gelernt haben.

Nach Ansicht der Teilnehmer:innen sollten Bildungs- und Präventionsangebote stärker an das Bildungsniveau, die sprachlichen Fähigkeiten, das Alter, die Lebenserfahrungen und die individuellen sozialen Bedingungen der Jugendlichen angepasst werden.

Die Jugendlichen betonten außerdem, dass solche Programme nach Möglichkeit auch in den Muttersprachen der Teilnehmer:innen angeboten werden sollten. Gerade bei sensiblen gesellschaftlichen Themen könnten viele Jugendliche ihre persönlichen Erfahrungen, Probleme und Meinungen in ihrer Muttersprache leichter und genauer ausdrücken.

Dank und Abschluss

Der Afghanische Kultur-, Integrations- und Sportverein AKIS bedankt sich herzlich bei den Expert:innen Herrn Abdullah Ramaki und Frau Zohra Najafi sowie bei allen Teilnehmer:innen für ihr Engagement und ihre Unterstützung der Arbeit mit Jugendlichen.

Der Workshop endete in einer offenen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre. Die Jugendlichen nutzten die Möglichkeit, ihre persönlichen Sichtweisen und Vorschläge einzubringen, und unterstrichen die Bedeutung solcher Angebote für Aufklärung, die Prävention von Gewalt und Extremismus sowie für die Gestaltung einer gesunden und positiven Zukunft junger Menschen.

Spread the love

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen