Afghanische Frauen brauchen konkretes Handeln – Erklärungen allein reichen nicht aus

Konferenz im Europäischen Parlament fordert Anerkennung von Geschlechter-Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Brüssel, 15. Oktober 2026 – Das Netzwerk der afghanischen Diasporaorganisationen in Europa (NADOE) veranstaltete im Europäischen Parlament in Brüssel eine Konferenz, an der Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, ehemalige Parlamentsmitglieder, eine belgische Senatorin sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft und der afghanischen Diaspora aus verschiedenen europäischen Ländern teilnahmen.

Die Teilnehmenden forderten konkrete und wirksame Maßnahmen, die über politische Erklärungen hinausgehen und dem Schutz der Rechte von Frauen und Mädchen in Afghanistan dienen.

Die Konferenz stand unter dem Titel „Frauenrechte in Afghanistan: Vom Bekenntnis zum Handeln – Ungebrochene Stimmen: Gemeinsam mit Frauen gegen Geschlechter-Apartheid und für die Verteidigung der Menschenrechte im 21. Jahrhundert“.

Lailuma Sadid, Präsidentin von NADOE, erklärte, dass es das Ziel der Konferenz sei, die Stimmen der afghanischen Frauen zu den europäischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern zu bringen und politische Solidarität in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Auch das Engagement der Europaabgeordneten Alessandra Moretti verdient besondere Anerkennung. Sie setzt sich im Europäischen Parlament für die Rechte afghanischer Frauen und Mädchen ein und unterstützt den Austausch mit afghanischen Frauen und ihren Interessenvertretungen. Als Mitinitiatorin eines Entschließungsantrags zur Lage der Frauen in Afghanistan hat sie dazu beigetragen, die systematische Unterdrückung durch die Taliban auf die europäische politische Tagesordnung zu bringen. Ihr Einsatz unterstreicht, wie wichtig es ist, die Anliegen afghanischer Frauen in parlamentarische Initiativen und konkrete politische Maßnahmen zu übersetzen.

Vertreterinnen von AKIS und der Zeitschrift Banu: Konkrete Maßnahmen zur Unterstützung afghanischer Frauen

Für den Afghanischen Kultur-, Integrations- und Sportverein (AKIS) und die Frauenzeitschrift Banu nahmen unsere Kolleginnen Maryam Singh, stellvertretende Vorsitzende und Mitglied des Leitungsgremiums von AKIS, sowie Dr. Adela Mubasher, Mitglied des AKIS-Leitungsgremiums, an der Konferenz teil. Beide brachten ihre Erfahrungen und Standpunkte zur Unterstützung afghanischer Frauen und Mädchen ein.

Maryam Singh betonte in ihrem Beitrag, dass die Unterstützung afghanischer Frauen nicht auf Solidaritätsbekundungen, politische Erklärungen und Konferenzen beschränkt bleiben dürfe. Vielmehr seien konkrete Maßnahmen, Investitionen in Bildung, gleiche Chancen und eine nachhaltige Unterstützung von Frauen und Mädchen notwendig.

Sie verwies auf die langjährige Arbeit von AKIS und hob insbesondere die zahlreichen Konferenzen, Bildungsprogramme und Hunderte von Workshops hervor, die der Verein im Laufe seiner Tätigkeit organisiert hat. Diese Aktivitäten dienen unter anderem der Bewusstseinsbildung, der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der Unterstützung von Frauen und Jugendlichen sowie der Prävention von Gewalt, Extremismus und Radikalisierung.

Maryam Singh würdigte darüber hinaus das jahrzehntelange Engagement von Ghousuddin Mir, dem Vorsitzenden von AKIS, für Frauen und Mädchen in Afghanistan. Sie erklärte, dass sich Ghousuddin Mir seit rund drei Jahrzehnten für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen, den Ausbau von Bildungschancen und die Unterstützung benachteiligter Mädchen einsetze.

Im Rahmen seiner langjährigen sozialen und gemeinnützigen Arbeit habe er insbesondere Bildungsinitiativen für Mädchen in Kabul unterstützt. Sein Engagement zeige, dass nachhaltige Veränderungen nur dann möglich seien, wenn Solidarität in konkrete, kontinuierliche Bildungs- und Sozialprogramme umgesetzt werde.

Dr. Adela Mubasher sprach über die Aktivitäten der Frauenzeitschrift Banu, die sich der Veröffentlichung und Förderung der Gedanken, Anliegen und Leistungen afghanischer Frauen widmet. Die Zeitschrift setzt sich für Bildung, Bewusstseinsbildung, Frauenrechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen ein.

Sie verwies außerdem auf Bildungsinitiativen, die Unterstützung von Schulen sowie die Durchführung von Kursen innerhalb Afghanistans. Gerade angesichts der massiven Einschränkungen des Bildungszugangs für Mädchen seien solche Initiativen von besonderer Bedeutung. Medien und Bildungsprogramme könnten dazu beitragen, die Stimmen afghanischer Frauen hörbar zu machen, ihre Rechte zu verteidigen und ihnen Perspektiven für eine selbstbestimmte Zukunft zu eröffnen.

Die Teilnahme der Vertreterinnen von AKIS und Banu an der Konferenz unterstrich die gemeinsame Überzeugung, dass Solidarität mit den Frauen Afghanistans mit konkreten Maßnahmen, Bildungsangeboten, kultureller Arbeit und einem konsequenten Einsatz für ihre Rechte verbunden sein muss.

Geschlechter-Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennen

Eine der zentralen Forderungen der Konferenz richtete sich an das Europäische Parlament: Es soll eine führende Rolle bei der Anerkennung der Geschlechter-Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Rahmen des Völkerrechts übernehmen, insbesondere im Zusammenhang mit der systematischen Verfolgung und Unterdrückung von Frauen.

Die Teilnehmenden betonten, dass die Situation eine klare rechtliche Einordnung erfordere und die internationale Rechenschaftspflicht der Verantwortlichen sichergestellt werden müsse.

Die Rednerinnen und Redner forderten außerdem, das Thema auf die Tagesordnung des Europäischen Parlaments zu setzen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Taliban für die Verletzung der Rechte von Frauen und Mädchen zur Verantwortung zu ziehen.

Der Umgang mit den Taliban darf nicht zur Normalisierung der Unterdrückung führen

Die Teilnehmenden warnten davor, dass Kontakte und Gespräche mit den Taliban zur Normalisierung von Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen beitragen könnten.

Sie formulierten folgende Forderungen:

  • Die Normalisierung diplomatischer und politischer Beziehungen zu den Taliban soll beendet und unnötige offizielle Kontakte sollen ausgesetzt werden.
  • Der wirksame politische Druck auf die Taliban und ihre Unterstützer soll verstärkt werden.
  • Gezielte Sanktionen sollen sich gegen Amtsträger, Kommandeure, Justizverantwortliche, Finanznetzwerke sowie Personen richten, die im Interesse der Taliban Lobbyarbeit betreiben.

Einrichtung einer EU-Sonderarbeitsgruppe für afghanische Frauen

Eine weitere zentrale Forderung war die Einrichtung einer Sonderarbeitsgruppe der Europäischen Union für afghanische Frauen. Diese soll Vertreterinnen und Vertreter europäischer Institutionen und der EU-Mitgliedstaaten zusammenbringen und zugleich eine substanzielle Beteiligung afghanischer Frauen, der Diasporagemeinschaften, der Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger sowie der Vertreterinnen und Vertreter ethnischer und religiöser Minderheiten gewährleisten.

Die Arbeitsgruppe soll die Zusammenarbeit zwischen europäischen Institutionen stärken, konkrete Maßnahmen zum Schutz der Rechte afghanischer Frauen und Mädchen vorantreiben und dazu beitragen, die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen.

Von der Solidarität zum konkreten Handeln

Die zentrale Botschaft der Konferenz war eindeutig: Afghanische Frauen brauchen konkrete Unterstützung, Zugang zu Bildung, wirksame politische Maßnahmen und Gerechtigkeit.

Die langjährige Arbeit von AKIS und der Frauenzeitschrift Banu steht ebenfalls für diesen Ansatz. Durch Bildungsprojekte, Workshops, Konferenzen, kulturelle Aktivitäten und die Unterstützung von Frauen und Mädchen setzen sich beide dafür ein, Solidarität in nachhaltiges Handeln umzuwandeln und Perspektiven für eine selbstbestimmte Zukunft zu schaffen.

Bericht von AKIS

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