Bericht über den Jugendworkshop

Datum: Sonntag, 13. September 2026
Zeit: 13:00 bis 19:00 Uhr
Ort: Karl-Lothringer-Straße 26–32, 1210 Wien
Teilnehmer:innen: 13 Jugendliche

Am Sonntag, den 13. September 2026, fand von 13:00 bis 19:00 Uhr im Veranstaltungssaal in der Karl-Lothringer-Straße 26–32, 1210 Wien, ein Jugendworkshop statt. Insgesamt nahmen 13 Jugendliche am Workshop teil. Zwei Teilnehmer waren bereits zu Beginn anwesend, weitere Teilnehmer:innen kamen nach 15:00 Uhr dazu.

Beginn des Workshops

Zu Beginn begrüßte Ghousuddin Mir die Jugendlichen und bedankte sich für ihre Teilnahme und ihr aktives Interesse. Gleichzeitig sprach er dem österreichischen Sozialministerium seinen Dank dafür aus, dass es die Durchführung dieses Workshops ermöglicht hat.

Er betonte, dass solche Veranstaltungen Jugendlichen die Möglichkeit geben, Wissen und Kompetenzen zu erwerben, die für eine bessere Zukunft wichtig sind. Gleichzeitig sei es wichtig, gemeinsam über Gewalt, Extremismus und Radikalisierung sowie über die möglichen negativen Auswirkungen solcher Entwicklungen auf die Jugendlichen selbst, ihre Familien und die Gesellschaft zu sprechen.

Anschließend vervollständigte Herr Yousefi als Workshop-Leiter die Teilnehmer:innenliste. Er informierte die Jugendlichen über die Einverständniserklärungen für Fotoaufnahmen und erläuterte die Bedeutung des Datenschutzes, der Privatsphäre und der Vertraulichkeit. Insbesondere wurde darauf hingewiesen, dass persönliche und sensible Inhalte, die während des Workshops besprochen werden, vertraulich behandelt werden sollen.

Danach informierte Herr Eltizam, ein Mitarbeiter des Workshops, über die Ziele und Inhalte des Programms und ermutigte die Jugendlichen, sich aktiv an den Diskussionen und am offenen Austausch zu beteiligen.

Beitrag der österreichischen Polizei

Im Anschluss führte Revierinspektor Deniz CIFTCI, Referat für Diversität, etwa zwei Stunden lang einen Austausch und Workshop mit den Jugendlichen durch.

Dabei wurden verschiedene Themen im Zusammenhang mit Gewalt, Extremismus, Radikalisierung, persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung sowie Möglichkeiten der Prävention behandelt.

Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und offen über Herausforderungen zu sprechen, mit denen sie im Alltag, im Integrationsprozess und in ihrem sozialen Umfeld konfrontiert sein können.

Offener Dialog mit den Jugendlichen

Nach einer kurzen Pause wurde der zweite Teil des Workshops von Masihullah geleitet. Dieser Teil dauerte etwa eine Stunde und wurde als offener Dialog und gemeinsamer Austausch gestaltet. Herr Rahmani unterstützte Masihullah bei der Durchführung und Moderation der Diskussion.

Ein zentraler Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage, welche sozialen, wirtschaftlichen und persönlichen Faktoren dazu führen können, dass Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen anfälliger für Gewalt, illegale Handlungen oder extremistische Ideologien werden.

Meinungen und Sichtweisen der Jugendlichen

Einige Jugendliche nannten soziale Ausgrenzung, das Gefühl von Demütigung, Diskriminierung und mangelnde gesellschaftliche Anerkennung als mögliche Faktoren, die die Anfälligkeit für Radikalisierung erhöhen können. Ihrer Ansicht nach kann ein Jugendlicher, der das Gefühl hat, in der Gesellschaft keinen ausreichenden Respekt, keine Anerkennung oder keine gleichberechtigten Chancen zu erhalten, nach anderen Möglichkeiten suchen, Zugehörigkeit und Identität zu erfahren. Dadurch kann das Risiko steigen, dass er sich Gruppen oder Bewegungen zuwendet, die einfache oder extremistische Lösungen anbieten.

Andere Teilnehmer:innen legten den Schwerpunkt auf wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten. Sie nannten insbesondere fehlende Aufenthaltspapiere, unsichere Lebensperspektiven, Armut, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Sprachbarrieren und Schwierigkeiten bei der Integration als Faktoren, die einen hohen psychischen und sozialen Druck auf junge Menschen ausüben können.

Nach Ansicht der Jugendlichen kann ein junger Mensch, der über längere Zeit mit Unsicherheit über seine Zukunft, finanziellen Schwierigkeiten und fehlenden Bildungs- oder Arbeitsmöglichkeiten konfrontiert ist, anfälliger für falsche Versprechungen oder problematische Wege werden.

Einige Jugendliche wiesen außerdem auf familiäre und gesellschaftliche Belastungen in Afghanistan hin. Sie berichteten, dass Armut, fehlender Zugang zu Bildung, familiäre Probleme, Gewalt und fehlende Zukunftsperspektiven bereits in jungen Jahren die persönliche Entwicklung und die Entscheidungsfähigkeit beeinflussen können.

Wenn diese Belastungen nach der Migration zusätzlich mit Problemen bei Aufenthalt, Sprache, finanzieller Situation und gesellschaftlicher Integration zusammentreffen, kann sich der Druck auf junge Menschen weiter verstärken.

Gleichzeitig betonten die Jugendlichen ausdrücklich, dass keines dieser Probleme Gewalt oder Extremismus rechtfertigt. Vielmehr sei es notwendig, die Ursachen und Risikofaktoren zu verstehen, um geeignete Maßnahmen zur Prävention und Unterstützung entwickeln zu können.

Die Teilnehmer:innen schlugen daher vor, neben notwendigen rechtlichen Maßnahmen auch stärker auf Bildung, Beratung, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, gesellschaftliche Teilhabe sowie den Aufbau von Vertrauen zwischen Jugendlichen und staatlichen Einrichtungen zu setzen.

Bedeutung von Bildung und Muttersprache

Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war das Thema Analphabetismus und die unterschiedlichen Bildungsniveaus der Jugendlichen.

Einige Teilnehmer:innen betonten, dass Jugendliche mit wenig oder unterbrochener Schulbildung nicht mit denselben Methoden und Voraussetzungen angesprochen werden sollten wie Personen mit höherer Bildung oder Jugendliche, die Deutsch bereits von klein auf gelernt haben.

Nach Ansicht der Teilnehmer:innen sollten Bildungs- und Präventionsangebote stärker an das Bildungsniveau, die sprachlichen Fähigkeiten, das Alter, die Lebenserfahrungen und die individuellen sozialen Bedingungen der Jugendlichen angepasst werden.

Die Jugendlichen betonten außerdem, dass solche Programme nach Möglichkeit auch in den Muttersprachen der Teilnehmer:innen angeboten werden sollten. Gerade bei sensiblen gesellschaftlichen Themen könnten viele Jugendliche ihre persönlichen Erfahrungen, Probleme und Meinungen in ihrer Muttersprache leichter und genauer ausdrücken.

Vorschlag für eine stärkere Zusammenarbeit mit dem AMS

Zum Abschluss der Diskussion wünschten sich die Jugendlichen, dass ähnliche Programme auch in Zukunft regelmäßig und in enger Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen, sozialen Organisationen, der Polizei und dem AMS durchgeführt werden.

Insbesondere wurde eine stärkere Zusammenarbeit des AMS mit Vereinen und Organisationen, die mit Migrant:innen und Jugendlichen in verschiedenen Sprachen arbeiten, angeregt.

Nach Ansicht der Jugendlichen könnte eine solche Zusammenarbeit den Zugang zu Informationen über Bildung, Ausbildung, berufliche Qualifizierung, Arbeit und Beschäftigungsmöglichkeiten erleichtern und dadurch die Integration junger Menschen in die österreichische Gesellschaft unterstützen.

Die Jugendlichen äußerten abschließend den Wunsch, dass solche Workshops auch in Zukunft fortgesetzt und – wenn möglich – mit Unterstützung österreichischer Behörden in verschiedenen Muttersprachen angeboten werden.

Sie betonten, dass Bildung, Dialog, gesellschaftliche Teilhabe und konkrete Zukunftsperspektiven wichtige Voraussetzungen dafür sind, Gewalt und Extremismus vorzubeugen und Jugendlichen eine positive und selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen.

Dank und Abschluss

Zum Abschluss des Workshops verzichtete Revierinspektor Deniz CIFTCI, Referat für Diversität, in Anerkennung der Arbeit und des Engagements des Afghanischen Kultur, Integration und Sport Vereins AKIS für Jugendliche auf sein Honorar und stellte diesen Betrag dem Verein als Unterstützung bzw. Spende zur Verfügung.

Der Verein AKIS bedankt sich herzlich für diese wertvolle Geste und für die Unterstützung der Arbeit mit Jugendlichen.

Der Workshop endete in einer offenen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre. Die Jugendlichen nutzten die Möglichkeit, ihre persönlichen Sichtweisen und Vorschläge einzubringen und unterstrichen die Bedeutung solcher Angebote für Aufklärung, Prävention von Gewalt und Extremismus sowie für die Gestaltung einer gesunden und positiven Zukunft junger Menschen.

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